Gelsdorfer Geschichte im 19. und 20. Jahrhundert

history4.jpg Am 23. Januar 1985 ist nach dreij├Ąhriger Bauzeit das bis auf die Umfassungsmauern abgebrannte Schlo├č Gelsdorf in neuem Glanz entstanden. Wer die Ruinen nach dem Brand im Jahre 1979 gesehen hat, vermochte sich nicht vorzustellen, da├č sie wieder zu einem Geb├Ąude restauriert werden k├Ânnten. Da├č dieses ┬╗Wunder┬ź dennoch eingetreten und dieses bedeutendste Bauwerk der Gemeinde Grafschaft wiedererstanden ist, verdanken wir dem Architekten Bruno Lambart aus Ratingen bei D├╝sseldorf. Dieses freudige Ereignis m├Âchte ich zum Anla├č nehmen, um einen Beitrag ├╝ber die neuere Geschichte des Schlosses zu liefern, die bislang in der Literatur nur in groben Umrissen behandelt worden ist.1 Das Bauwerk ist, nebenbei bemerkt, eindeutig ein ┬╗Schlo├č┬ź und keine ┬╗Burg┬ź, wenn es auch f├Ąlschlicherweise h├Ąufig so genannt wird. Im Jahre 17632 erwarb der kurk├Âlnische Geheime Rat und Staatssekret├Ąr Constantin von Gruben von den Erben Hallbergs die mittelalterliche Burg Gelsdorf, legte sie nieder und erbaute sich ein standesgem├Ą├čes Residenzschlo├č. Nach seinem Tode im Jahre 1788 ├╝bernahmen seine Kinder das Anwesen. Namentlich waren es in den 1820er Jahren Franz Heinrich von Gruben, B├╝rgermeister von Gelsdorf und von 1816 bis 1820 erster Landrat des Kreises Ahrweiler, ferner seine Schwestern Maria Anna und Ernestine von Gruben. Ebenso wie den Vorbesitzern, den von Hallberg, gelang es auch der Familie von Gruben nicht, den Besitz ├╝ber l├Ąngere Zeit zu erhalten. Schon um 1790 versuchte man ihn zu ver├Ąu├čern3, und als die Finanzschwierigkeiten immer gr├Â├čer wurden, verpf├Ąndeten am 30. Januar 1821 die genannten Geschwister diese Besitzungen dem Freiherrn von Geyr f├╝r ein Kapital von 13.700 Taler 4. Auf Betreiben des Cornel Joseph Freiherr von Geyr aus K├Âln kam es schlie├člich zur Versteigerung des Anwesens. Im ver├Âffentlichten Subhastations-Patent history3.jpg(Subhastation = Zwangsversteigerung) vom 28. Mai 1825 sind die Geb├Ąulichkeiten wie folgt beschrieben: ┬╗Das sogenannte Schlo├č Gelsdorf, bestehend in den herrschaftlichen Oekonomieund sonstigen Geb├Ąulichkeiten. Das herrschaftliche Geb├Ąude ist im hohen Style aufgef├╝hrt, zwei st├Âckig, mit 2 Fl├╝geln, von Ziegelsteinen gebaut, mit Schiefern gedeckt, hat im Erdgescho├če 24, im 1ten Stocke 45 Fenster in Haustein, und 17 Fenster im Dache, 5 Schornsteine, und in der Fronte eine Schlag-Uhr; enth├Ąlt 24 Zimmer, eine K├╝che, eine Kapelle, ger├Ąumige Speicher und gew├Âlbte Keller unter dem ganzen Geb├Ąude. Die s├Ąmtlichen Oekonomie-Geb├Ąude und das bei der Haupt-Einfahrt liegende Renteihaus umschlie├čen den Vorhof in l├Ąnglichem Vierecke und sind alle von Ziegelsteinen gebaut und mit Ziegeln gedeckt. Das Renteihaus hat im Erdgescho├če 17 Fenster und 3 Eingangsth├╝ren, im 1ten Stocke 23 Fenster, 2 Schornsteine und 2 gew├Âlbte Keller. Das Ganze hat 3 Einfahrtsthore. Die s├Ąmmtlichen Geb├Ąude mit Einschlu├č des Hofes haben an Fl├Ąchen-Inhalt 2 Morgen 2 Pinten 1 Ruthe k├Âlnisch und werden durch die Schuldner selbst bewohnt┬ź. Es folgt in 78 Positionen eine Aufstellung der Wiesen, G├Ąrten, D├Ąmme, Gr├Ąben und ├äcker, die alle in der Gemarkung Gelsdorf gelegen waren. Der gesamte Besitz in einer Gr├Â├če von rund 394 preu├čischen Morgen wurde von der Familie von Gruben selbst bewirtschaftet. Als Gebot waren 18000 Berliner Taler angesetzt.

Bei der Versteigerung im selben Jahr erhielt Freiherr von Geyr selbst f├╝r das H├Âchstgebot von 30.000 Talern den Besitz zugeschlagen. Er zog jedoch nicht nach Gelsdorf, sondern lie├č die beiden Schwestern von Gruben und den Hauskaplan, Canonicus Fa├čbender, weiterhin dort wohnen, w├Ąhrend der Bruder, Franz Heinrich von Gruben, nach Niederbreisig verzogen war.

Nach dem Tode des Cornel Joseph von Geyr im Jahre 1832 zeigte sich seine Tochter Hen-riette geneigt, das Anwesen zu ver├Ąu├čern. Der Gelsdorfer Sch├Âffe (= Gemeindevorsteher) Mathias Schmitz nahm Verhandlungen mit ihr auf, um das Schlo├čgeb├Ąude anzukaufen, damit es als Pfarrhaus, Schule und Vikarie genutzt werden konnte. Dabei fand er die Unterst├╝tzung des B├╝rgermeisters und Ortspfarrers. Fast hatte man ├╝ber den Kaufpreis Einigung erzielt, als der Rentner Johann Christoph Jung aus Poppelsdorf bei Bonn, als Bevollm├Ąchtigter seines Vetters Gottlob Friedrich Jung zu Ludwigsburg, unerwartet schnell das Anwesen f├╝r sich erwerben konnte. Er betrachtete es offensichtlich nur als Spekulationsobjekt, denn bereits 1832 lie├č er die H├Ąlfte der L├Ąndereien wieder versteigern. Bei dieser Gelegenheit sprach Pfarrer Stephan Weber ihn auf die W├╝nsche der Gemeinde an. Jung zeigte sich interessiert und schien nicht abgeneigt, das Schlo├č zum Abbruchwert an die Gemeinde zu verkaufen. Daher nahm B├╝rgermeister Rolshoven wenig sp├Ąter Verhandlungen mit ihm auf. In einem Bericht an den Landrat vom 3. Juni 1833 schreibt er dar├╝ber: ┬╗Die Gemeinde Gelsdorf w├╝nscht das daselbst gelegene Burghaus nebst den zun├Ąchst liegen-den G├Ąrten zu erwerben, um dasselbe als Pfarrei, Vikarie und Schule einzurichten. Dieser Wunsch ist mir nicht nur vom Vorstande daselbst, sondern auch von vielen Privaten ausgesprochen worden┬ź. Er f├╝hrt dann weiter aus, da├č das Schulhaus zwar nicht alt sei es wurde ├╝brigens erst 1816/17 errichtet-, aber die vielen in den letzten Jahren durchgef├╝hrten Reparaturen h├Ątten kaum genutzt, weil das Geb├Ąude von Grund auf schlecht aufgef├╝hrt worden sei. Au├čerdem ben├Âtige die Gemeinde eine Vikariewohnung. Um den Kaufpreis aufzubringen, k├Ânne man die Schule und das Pfarrhaus verkaufen, und der Pfarrer w├╝rde den an der Kirche gelegenen, gut f├╝r Baupl├Ątze geeigneten Pastoralgarten ebenfalls ver├Ąu├čern, wenn ihm als ├äquivalent ein Anteil an der Burg gegeben w├╝rde. Das Burghaus indessen bed├╝rfe als haupts├Ąchlichste Reparatur im oberen Stock zwar neue Fenster, sei im ├╝brigen aber dauerhaft ausgef├╝hrt und b├Âte alles was die Gemeinde sich w├╝nschen k├Ânne. Es sei eine unwiederbringliche Gelegenheit und wenn man nicht zugreife, drohe dem Geb├Ąude der Abbruch.

Nach dem Vorschlag des Eigent├╝mers sollte das Geb├Ąude von einem Werkmeister auf Abbruch gesch├Ątzt werden. Die Materialkosten abz├╝glich der Abbruchkosten, also der reine Ertrag, sollte schlie├člich als Verhandlungsbasis dienen. Es war damals ├╝blich, alle durch den Abbruch gewonnenen Baumaterialien wieder zu verwenden. In einem Gutachten ermittelte Bauinspektor Hartmann einen Betrag von 3.200 Talern als Reinertrag f├╝r die verk├Ąuflichen Baumaterialien des Schlosses. Hatte der Sch├Âffe Mathias Schmitz sich anfangs f├╝r den Ankauf des Schlosses eingesetzt, so nahm er bald eine immer ablehnendere Haltung ein, und mit ihm der gr├Â├čte Teil der Bev├Âlkerung. Das lag sicher nicht nur an dem, vordergr├╝ndig betrachteten, hohen Kaufpreis, sondern auch der Fremdheit dieses im Verh├Ąltnis zu den Fachwerkh├Ąusern riesigen Geb├Ąudekomplexes. Dort hatten in der Vergangenheit die Herren des Dorfes in luxuri├Âsen Verh├Ąltnissen gelebt, w├Ąhrend sie zumeist in beengten, kleinen Fachwerkh├Ąusern wohnten. Und jetzt sollten im Schlo├č die Herren Pfarrer, Vikar und Lehrer auf ihre Kosten herrschaftlich untergebracht werden. history2.jpgDas sah man nicht ein. Etwa ein Jahr nach Anfertigung des Gutachtens beschlo├č am 20. Juli 1834 eine Gemeindeversammlung, das Schlo├č nur dann zu erwerben, wenn Jung es f├╝r 2.000 Taler verkaufen wolle. Dieser Befrag lag nun betr├Ąchtlich unter dem gesch├Ątzten Wert, allein f├╝r das Abbruchmaterial, und es war vorauszusehen, da├č der Eigent├╝mer darauf nicht eingehen w├╝rde. Landrat, B├╝rgermeister und Ortspfarrer versuchten vergebens, die ma├čgeblichen M├Ąnner der Gemeinde von den Vorteilen des Schlo├čkaufes zu ├╝berzeugen. Nach Wegzug und Tod der Geschwister von Gruben lebte noch der Hauskaplan Franz Ludwig Fa├čbender im Schlo├č. Im Jahre 1842 ist er dort noch anzutreffen, sp├Ąter zog er aber nach Eckendorf, wo er 1848 starb. Seit 1833 hatte Gelsdorf mit der Einstellung von Jakob Hauth wieder einen Vikar. Er lebte ebenfalls im Schlo├č, verlie├č es aber im Dezember 1834 wegen der angeblich schlechten Wohnverh├Ąltnisse. Vor allem beklagte er die unwohnlichen und teuer zu beheizenden R├Ąume und am unangenehmsten sei, da├č es im Schlo├č nur einen Abtritt g├Ąbe, und der l├Ąge im anderen Schlo├čfl├╝gel in der Wohnung des B├╝rgermeisterei-Sekret├Ąrs Pfeiffer. Auch diese Familie ist wohl nach Ablauf des Mietvertrages zum 1. April 1835 ausgezogen, ebenfalls weil die hohen R├Ąume schlecht zu beheizen und au├čerdem die Fenster in schlechtem Zustand gewesen seien.

Diese Vorg├Ąnge best├Ąrkten die Verantwortlichen der Gemeinde in ihrer Abneigung gegen das Schlo├č. Als die Kaufverhandlungen zu keinem Ergebnis f├╝hrten, drohte der Eigent├╝mer, um die Gemeinde zu dr├Ąngen, mit dem Abbruch des Schlosses. Im Gegensatz zur Dorfbev├Âlkerung waren die Beh├Ârdenvertreter bis hinauf zum Regierungspr├Ąsidenten f├╝r den Schlo├čankauf eingestellt. Letzterer hatte w├Ąhrend seiner Anwesenheit in der B├╝rgermeisterei (wahrscheinlich 1833) nach einer Besichtigung des Schlosses die Gemeinde gedr├Ąngt, die Verhandlungen doch zu beschleunigen, anderenfalls w├╝rde die Regierung es ankaufen. Im Jahre 1835 stellte man dort ├ťberlegungen an, in Gelsdorf ein Lehrerseminar einzurichten und erwarb deshalb die Schlo├čgeb├Ąude. Allerdings wurde der Kauf wieder r├╝ckg├Ąngig gemacht...

Im Jahre 1838 verkaufte der Rentner Jung schlie├člich auch die zweite H├Ąlfte der Schlo├čl├Ąndereien, au├čer dem Schlo├č und 15 Morgen G├Ąrten, die die Regierung kurzfristig besessen hatte. Damit war das Ende des landtagsf├Ąhigen Rittergutes Gelsdorf gekommen, denn aus dem einstmals stattlichen Anwesen war jetzt nur noch das Schlo├č mit der unmittelbaren Umgebung ├╝briggeblieben. Doch um diesen Rest sollte man sich noch lange streiten. Die Fortsetzung dieser Schlo├čerwerbungsgeschichte ist v├Âllig ├╝berraschend. Am 14. Juni 1839 meldet Pastor Stephan Weber dem Weihbischof G├╝nther in Trier, da├č er den sch├Ânsten Teil des Schlosses mit einem Oekonomiege-b├Ąude und Garten ├Ąu├čerst billig angekauft habe. Er bittet um schleunige Zustimmung zu diesem noch nicht notariell abgeschlossenem Vertrag, da auch ein Herr aus Belgien mit dem Eigent├╝mer in Verhandlungen stehe, der das ganze Schlo├č f├╝r eine Rotgerberei ankaufen m├Âchte, sich aber zur├╝ckhalten wolle, wenn er es ankaufte. Am 22. Juni teilt Weber dem B├╝rgermeister mit, da├č er seine neue Wohnung im Schlo├č bezogen h├Ątte.

Nachdem die erforderliche Genehmigung eingegangen war, fand der notarielle Abschlu├č des Kaufvertrages am 26. Januar 1841 statt. Weber hatte den rechten Fl├╝gel, einen Teil des Mitteltraktes, einen Teil der Wirtschaftsgeb├Ąude (heute Pastors-Scheune genannt), einen Teil des Hofraumes und den Garten im Burggraben zu einem Preis von 1000 Talern erworben. Nun hatte Stephan Weber, seit 1828 als Pastor in Gelsdorf t├Ątig, einen Teil des Schlosses nicht etwa im Auftrag der Kirchengemeinde, sondern als Privatmann angekauft. Als wohlhabender Mann und geistlicher Herr des Dorfes sah er im Schlo├č viel eher eine standesgem├Ą├če Wohnung als in dem beengten Pfarrhaus, einem Fachwerkgeb├Ąude in der N├Ąhe der Kirche, das die Gemeinde vor 1770 zur Nutzung als Pfarrhaus erworben hatte. Da├č die Dorfbev├Âlkerung mit seinem Verhalten, vollendete Tatsachen zu schaffen, nicht einverstanden war, st├Ârte ihn kaum. Zum Bild dieses Mannes, wie es sich aus den schriftlichen Zeugnissen ergibt, pa├čt auch sein Portrait, das ihn mit dem Schlo├č im Hintergrund als stolzen Schlo├čbesitzer zeigt.

Dorf und Schlo├č Gelsdorf. Plan von 1826 (aus: Rhein. Vjbl. 1950)
Dorf und Schlo├č Gelsdorf. Plan von 1826 (aus: Rhein. Vjbl. 1950)

In den folgenden Monaten bem├╝hte sich Pastor Weber, die Gemeinde zum Ankauf seines Schlo├čanteiles zu bewegen. Gleichzeitig drang er darauf, da├č auch der ├╝brige Teil des Schlosses f├╝r die Unterbringung von Schule, Lehrerwohnung und Vikarie angekauft wurde. Da er auch Schulinspektor f├╝r die B├╝rgermeistereien Gelsdorf, Altenahr, Ahrweiler und Remagen war, machte er seinen ganzen Einflu├č geltend, die alte Schule nicht instahdzusetzen, sondern sie ins Schlo├č zu verlegen. Zweifellos war die Schule mit ihren feuchten W├Ąnden in keinem guten baulichen Zustand, da sie ohne Keller und ausreichende Fundamente in eine sumpfige Wiese gebaut worden war. Man h├Ątte trotz hoher Reparaturkosten nie ein gut bewohnbares Haus bekommen. Das Pfarrhaus hingegen w├Ąre nach den angefertigten Gutachten durchaus wieder in guten Stand zu setzen gewesen.

Allerdings war der Ankauf des solide gebauten Schlosses, objektiv gesehen, eine bessere, wenn auch im Augenblick teurere L├Âsung, da es ausreichend Platz f├╝r die gemeindlichen Einrichtungen bot und die Gemeinde auf Jahrzehnte vor gr├Â├čeren Reparaturen verschont bleiben w├╝rde. Deshalb waren alle beteiligten Gremien und Beh├Ârden, vom Sch├Âffenrat (= Vertretung der B├╝rgermeisterei) bis zum Oberpr├Ąsidenten einhellig f├╝r den Ankauf des gesamten Schlosses. Wenn auch die meisten Einwohner von Gelsdorf mit Eingaben und Beschwerdebriefen an die Beh├Ârden sich erbittert gegen die bevorstehende Entscheidung zum Ankauf wehrten und in einer eigens einberufenen Volksbefragung ihren ganzen Unmut deutlich zum Ausdruck brachten, konnten sie jedoch nichts ausrichten.


Pastor Stephan Weber. Im Hintergrund das Schloss (nach 1839)

Am 23. September 1842 wurde der notarielle Vertrag ├╝ber den Ankauf des Pastor Weber geh├Ârenden Anteils des Schlosses unterzeichnet. Die Gemeinde zahlte den gleichen Betrag, n├Ąmlich 1.000 Taler, den Weber selbst gezahlt hatte, zuz├╝glich 900 Taler f├╝r Reparaturen, die Weber inzwischen hatte ausf├╝hren lassen. Das jetzt nicht mehr ben├Âtigte Pfarrhaus mit mehreren G├Ąrten am Haus und hinter dem Kirchhof wurde am 21. Oktober 1842 versteigert. Den Zuschlag f├╝r das Haus erhielt Wilhelm Breidenbend. Er hat es offensichtlich renovieren lassen, denn es steht heute noch (Burgstra├če 6) und z├Ąhlt zu den ├Ąltesten und stattlichsten Fachwerkgeb├Ąuden des Ortes. Noch im Jahre 1842 begann B├╝rgermeister Rolshoven Verhandlungen mit dem Rentner Jung wegen des verbliebenen Teils des Schlosses und bot daf├╝r 1.400 Taler. Johann Christoph Jung (eigentlicher Eigent├╝mer war dessen Vetter Gottlob Friedrich Jung zu Ludwigsburg, der aber nie in Erscheinung trat) antwortete ihm unwirsch, er h├Ątte wegen seiner T├Ątigkeit bei der B├╝rgermeisterei Bonn er war dort Beigeordneter jetzt keine Zeit, aber f├╝r diesen Preis k├Ânne er den ┬╗Plunder┬ź auf keinen Fall hergeben. Daraufhin unternahm der B├╝rgermeister keine weiteren Schritte, da er glaubte, die Gemeinde Gelsdorf werde bald selbst einsehen, da├č der Erwerb des restlichen Schlo├čteiles f├╝r sie vorteilhaft sei. Inzwischen hatten sich n├Ąmlich die Wogen der Erregung in Gelsdorf langsam gelegt, und die Zust├Ąnde in der Schule trieben zusehends einer Entscheidung zu.

Und doch dauerte es noch Jahre, bis am 20. Januar 1846 die Gemeinde den Kaufvertrag f├╝r den linken Trakt des Schlosses nebst Scheune (sie lag am Ende des linken Fl├╝gels), Einfahrtstor und Umgebung unterzeichnete. Damit war das gesamte Herrenhaus und die beiden Enden des Oekonomiegeb├Ąudes im Eigentum der Gemeinde Gelsdorf.

Wieder vergingen Monate, bis man sich ├╝ber die zweckm├Ą├čigste Einrichtung des Schlosses geeinigt hatte. Nach Beschlu├č des Gemeinderates vom 25. November 1846 wurde die Aufteilung der R├Ąume schlie├člich wie folgt vorgenommen: Im gesamten rechten Fl├╝gel wohnte bereits seit 1839 der Pastor. Daran anschlie├čend sollte in beiden Geschossen des Mitteltraktes die Wohnung des Vikars, bestehend aus vier Zimmern und einer K├╝che, eingerichtet werden. Speicher und Keller sollte er mitbenutzen d├╝rfen. In diesen R├Ąumen sollte auch seine Magd wohnen. Das bisherige Hauptportal sollte sein Eingang werden. An Stelle des zweiten, links von dieser T├╝r gelegenen Fensters sollte eine Eingangst├╝r f├╝r die Lehrerwohnung gebrochen werden. Zu dieser Wohnung geh├Ârte ein Teil des Mitteltraktes und R├Ąume im linken Fl├╝gel. Der gro├če Speisesaal im Erdgescho├č des linken Fl├╝gels sollte Schulraum f├╝r die Jungen werden. Der dar├╝ber liegende Raum war f├╝r die M├Ądchenklasse (jeweils 1. bis 8. Schuljahr) vorgesehen. Daneben war die Wohnung f├╝r die Lehrerin geplant, von der jedoch ein Versammlungsraum f├╝r die Meistbeerbten (Gemeindeb├╝rger) und den Gemeinderat abgezweigt wurde. Alle Abtritte an der alten Schule sollten abgebrochen und hier wieder aufgebaut werden.

Zum 1. Juni 1847 k├╝ndigte man dem im Schlo├č wohnenden Steuerempf├Ąnger Schwamborn und begann jetzt endlich mit den Umbauten, von denen als gr├Â├čere Ma├čnahme der Einbau einer neuen Treppe zu erw├Ąhnen ist. Schwamborn wohnte wahrscheinlich im mittleren Teil, w├Ąhrend der linke Fl├╝gel lange Zeit leergestanden hatte. Wenn man auch durch Aufmauern von Trennw├Ąnden die durchweg als S├Ąle anzusprechenden R├Ąume unterteilte, so blieb doch noch ihre gro├če H├Âhe von 3,80 m im Erdgescho├č und 4 bzw. 4,80 m im Obergescho├č, die das Beiheizen im Winter teuer machte. Von den zuletzt angekauften Objekten sollten das Oekonomiegeb├Ąude nebst Hofraum, Wiese und dem St├╝ck Ackerland, genannt Richtersgarten, verkauft werden. Ebenso wollte man sich von dem alten, jetzt nicht mehr benutzten Schulhaus trennen. Nach den Umbauarbeiten im Jahre 1847 stand die Vikariewohnung im Mittelteil des Schlosses zun├Ąchst lange leer, da kein Vikar zu bekommen war. 1849 und 1850 finden wir dann den Kreistierarzt mit seiner Familie (die einzigen Protestanten des Dorfes) als Mieter vor. Seit 1853 war hier die Wohnung und das Amtslokal des B├╝rgermeisters untergebracht. Drei Jahre sp├Ąter setzten die ersten erkennbaren Bem├╝hungen des Kirchenrates ein, diese Wohnung unter eigene Verwaltung zu bekommen. Der Gemeinderat lehnte dieses Ansinnen jedoch immer wieder mit Bestimmtheit ab, da August Joseph Scherer, seit 1853 Nachfolger des verstorbenen Stephan Weber, erst 60 Jahre alt sei und keinen Vikar ben├Âtige. Erst mit Besetzung der Vikariestelle werde das Verf├╝gungsrecht an die Kirche ├╝bergeben. Mit diesem Bescheid mu├čte sich der Kirchenrat zufrieden geben, da er vorerst keine Handhabe besa├č, die Verh├Ąltnisse zu ├Ąndern. Etliche Jahre sp├Ąter, am 15. Juli 1863, machte der Kirchenrat einen erneuten energischen Vorsto├č. Die Besetzung der Vikarstelle sei jetzt dringend geboten, weil Pfarrer Scherer kr├Ąnklich sei und einen Vikar ben├Âtige. Der Bischof sei auch bereit, einen solchen zu schicken. Damit war der Gemeinderat in arge Bedr├Ąngnis versetzt worden. Einerseits hatte er im Jahre 1856 den Beschlu├č gefa├čt, da├č die Vikariewohnung ger├Ąumt w├╝rde, sobald die Notwendigkeit zur Anstellung eines Vikars eintrete, andererseits wohnte hier der B├╝rgermeister. Seit 1858 war es Johann Joseph Adam. Wie sollte man den Amtssitz des B├╝rgermeisters in Gelsdorf behalten k├Ânnen und das wollte man unbedingt -, da eine geeignete Wohnung in den Bauernh├Ąusern kaum zu finden war. Seit den Unstimmigkeiten mit dem Kirchenrat ab 1856 und der daraus resultierenden Unsicherheit, wie lange die Vikariewohnung noch Amtslokal bleiben konnte, bem├╝hten sich n├Ąmlich verschiedene andere Gemeinden in verst├Ąrktem Ma├če, den Sitz der B├╝rgermeisterei in den Mittelpunkt des Verwaltungsbezirks nach Ringen zu verlegen. In den beiden sich streitenden Gremien, Kirchenrat und Gemeinderat, wurden hitzige Diskussionen gef├╝hrt, wobei einigen M├Ąnnern, die in beiden R├Ąten sa├čen, eine unangenehme Rolle zufiel. Wir k├Ânnen mit Sicherheit annehmen, da├č die beiden herausragenden Kontrahenten, der B├╝rgermeister und der Pastor, mit allen ihnen zur Verf├╝gung stehenden Mitteln versuchten, die Entscheidung in ihrem Sinne zu beeinflussen. Dabei trug der Pastor schlie├člich den Sieg davon. Zwar waren sich in einer Sitzung am 27. Juli 1863 alle f├╝nf Mitglieder des Gemeinderates darin einig, entgegen ihres fr├╝heren Beschlusses, das Verf├╝gungsrecht ├╝ber die Vikariewohnung auf keinen Fall der Kirchengemeinde zu ├╝bertragen. Jedoch traf man wenige Tage sp├Ąter auch die Entscheidung, dem B├╝rgermeister, entsprechend dem Wunsch des Kirchenrates, zum 27. Oktober zu k├╝ndigen.

In gro├čer Eile wurden Pferdestall und Kegelbahn hinter dem Gasthaus Wolf in Ringen zur Wohnung des B├╝rgermeisters ausgebaut. Trotzdem gelang die Fertigstellung nicht rechtzeitig, so da├č B├╝rgermeister Adam erst am 27. November 1863 dort einziehen konnte. Damit hatte Gelsdorf den Amtssitz der B├╝rgermeistereiverwaltung verloren und erhielt ihn trotz intensiver Bem├╝hungen nie mehr zur├╝ck. Vermutlich zog nun der neuernannte Kaplan Friedrich W├╝nsch aus Koblenz in die Vikariewohnung ein, verlie├č nach dem Tode von Pastor Scherer (16.12.1871) Gelsdorf aber wahrscheinlich wieder. Am 15. M├Ąrz 1872 verlegte der Steuerempf├Ąnger Wawer, nachdem er zwei Jahre in Ringen seinen Wohnund Amtssitz gehabt hatte, seine Wohnung wieder nach Gelsdorf, und zwar vermutlich in das Schlo├č, denn dort werden er ab 1877 und nach ihm seine Amtsnachfolger bis 1884 als Mieter der Vikariewohnung genannt. In diesem Jahr zog die gesamte Verwaltung in das neu erbaute und heute noch genutzte Rathaus in Ringen. In der Zeit des Kulturkampfes wurde am 14. M├Ąrz 1880 ein Gesetz ┬╗betreffend die Bestreitung der Kosten f├╝r die Bed├╝rfnisse der Kirchengemeinden in den Landestheilen des linken Rheinufers┬ź erlassen, wonach die Zivilgemeinden nicht mehr zur Beschaffung und Unterhaltung der Pfarrh├Ąuser verpflichtet waren. Daf├╝r gingen aber alle den Zivilgemeinden geh├Ârenden, ausschlie├člich als Pfarrwohnung dienenden Geb├Ąuden nebst den dazu geh├Ârenden Hofr├Ąumen und Hausg├Ąrten in das Eigentum der Kirchengemeinden ├╝ber. Infolge dieses Gesetzes ging auch automatisch der als Pfarrwohnung genutzte rechte Fl├╝gel des Schlosses in das Eigentum der Gelsdorfer Kirchengemeinde ├╝ber.


Torhaus zum Schloss Gelsdorf, Wohnsitz des ersten K├Âniglichen Landrats, Freiherr Franz Heinrich von Gruben.

Gleich brach auch wieder der alte, nicht vergessene Streit um die Vikariewohnung offen aus. Pastor und Kirchenvorstand verlangten von der Gemeinde die ├ťbertragung des Eigentumsrechtes, auf das sie 1863 nach der K├╝ndigung des B├╝rgermeisters im Gef├╝hl des Sieges keinen Anspruch mehr erheben wollten. Aber auch jetzt lehnte der Gemeinderat, dem auch drei Mitglieder des Kirchenvorstandes angeh├Ârten, dieses Ansinnen ebenso beharrlich wieder ab. Damit schien ein Schlu├čstrich unter die jahrzehntelangen Streitigkeiten ├╝ber die Vikariewohnung gezogen worden zu sein, wenn auch noch 1902 Pastor Burgund in einen Brief an den Landrat einflie├čen lie├č, da├č die Gemeinde immer noch das Eigentumsrecht an der Vikariewohnung beanspruche. Die Gemeinde verpachtete die Wohnung nach dem Wegzug des Vikars an Privatpersonen, ab 1912 nutzte Pfarrer Noesges die R├Ąume f├╝r die Jugendpflege und von 1921 bis 1924 f├╝hrte hier der aus Gelsdorf geb├╝rtige Arzt Dr. Klemens Conrads eine Praxis. Als am 1. Februar 1925 die einige Jahre vorher errichtete Landj├Ągerstelle der B├╝rgermeisterei Gesldorf durch den Landj├Ąger Martin L├Âhrer besetzt wurde, zog er in die freigewordene Vikariewohnung. Bis zur Fertigstellung des Hauses Gr├╝nstra├če 1 im Jahre 1938 blieben hier die Gendarme untergebracht. W├Ąhrend der mittlere Teil des Schlosses eine recht unterschiedliche Nutzung fand, ├Ąnderte sich in den beiden Fl├╝geln nichts. Im linken waren Schule sowie Lehrerwohnungen und im anderen der Pfarrer untergebracht. Auch das ├Ąu├čere Erscheinungsbild wandelte sich nur wenig. Bei gr├Â├čeren Renovierungsarbeiten im Jahre 1931 bedeckte man den Innenhof mit Schlackenasche und Kieserde und schlo├č ihn mit einer Betonmauer sowie zwei schmiedeeisernen Toren ab. Jetzt endlich legte man auch die Toiletten f├╝r das Lehrerpersonal in das Geb├Ąude, nachdem dies schon 1854 mit dem Abtritt des Pfarrers geschehen war. Wegen der hohen Reparaturkosten, die damals in der Pfarrwohnung anstanden, ├╝berlegte man schon 1931, ob nicht ein Neubau sinnvoller sei. Doch dazu kam es vorerst nicht. Ein anderes Schicksal als das Herrenhaus hatten die hufeisenf├Ârmig vorgelagerten Oekonomiegeb├Ąude, die sogenannte ┬╗Vorburg┬ź. Urspr├╝nglich waren dort Rentei, Schlo├čpersonal, Scheunen, Stallungen und Remisen untergebracht gewesen. Nach Aufl├Âsung des landwirtschaftlichen Betriebes wurden die einzelnen Geb├Ąudeteile wohl an verschiedene Personen vermietet.

Wie bereits erw├Ąhnt, hatte der Gemeinderat im Jahre 1846 beschlossen, das angekaufte Oekonomiegeb├Ąude nebst Hofraum zu verkaufen. Pastor Weber war es nicht gelungen, den Gemeinderat davon zu ├╝berzeugen, da├č ein k├╝nftig einzustellender Vikar f├╝r seine Haushaltung auch Wirtschaftsgeb├Ąude ben├Âtigte, damit er sich eine Kuh oder eine Ziege halten sowie das Brennholz lagern konnte. So fand dann am 16. M├Ąrz 1847 die Versteigerung des Oekonomiegeb├Ąudes statt. F├╝r 550 Taler ersteigerte Carl Joseph Ludwig das Geb├Ąude. ├ťberboten wurde der Pastor, der wie fr├╝her beim Schlo├čgeb├Ąude privat versuchen wollte, in den Besitz der Geb├Ąulichkeiten zu kommen, um es nachher wieder an die Gemeinde zu verkaufen. ├ťberboten wurden auch die Juden, welche hier gerne eine Synagoge einrichten und daneben einen Begr├Ąbnisplatz anlegen wollten. Da├č es dem Pastor nicht gelungen war, das Geb├Ąude zu ersteigern, bekundeten etliche Dorfbe wohner mit offener Schadenfreude. Niemand ahnte jedoch, da├č Pfarrer Weber sein hartn├Ąckig verfolgtes Ziel auch dieses Mal wieder erreicht hatte. Er hatte sich n├Ąmlich vorher mit Ludwig abgesprochen, da├č dieser ihm einen Teil des Geb├Ąudes abgeben sollte, falls er den Zuschlag erhielt. Und so geschah es. Als dies im Dorf ruchbar wurde, steigerte sich in der Bev├Âlkerung die Entr├╝stung ├╝ber das Benehmen des Pfarrers derart, da├č nachts Gipsfiguren und Ger├Ątschaften aus seinem Garten weggeschafft wurden. Die aufgebrachte Volksseele drohte sogar vor einer Vertreibung des Pastors nicht mehr zur├╝ckzuschrek-ken. Da der Gemeinderat sich kategorisch gegen einen R├╝ckkauf des Geb├Ąudes aussprach, und der Pastor auch bei der Bezirksregierung keine Zustimmung fand, gab er wohl, wie er es mit Ludwig im Falle des Mi├člingens seines Planes abgesprochen hatte, den Geb├Ąudeteil wieder an jenen zur├╝ck.

Seitdem das Schlo├č nicht mehr als herrschaftlicher Wohnsitz genutzt wurde, begann man, die aus Wasserfl├Ąchen, Baumg├Ąrten und Alleen bestehenden Au├čenanlagen nach und nach zu nutzbaren Fl├Ąchen umzugestalten, wobei die Harmonie der aus einem Gu├č bestehenden sp├Ątbarocken Anlage allm├Ąhlich zerst├Ârt wurde.


Foto: Oscar Lorenz / Wappen am Toreingang

Vor der ┬╗Vorburg┬ź befand sich noch 1858 der alte breite Wassergraben, getrennt durch einen Damm, ├╝ber welchen die Einfahrt zu den Oekonomiegeb├Ąuden erfolgte. Zur Zeit, als das Schlo├č noch der Familie von Gruben geh├Ârt hatte, waren die Geb├Ąude ringsum mit Wasser umgeben gewesen, und die Einfahrt war ├╝ber eine Zugbr├╝cke vor dem Haupteingangstor verlaufen. Sp├Ąter sch├╝ttete man hier den Damm auf, so da├č jetzt Weiher entstanden, von denen der linke zum Anwesen Wingender und Pfahl geh├Ârte und der untere der Gemeinde. Seitlich nach hinten lag der Teich des Pfarrers, der in den Jahren nach 1846 vom Gemeindeweiher abgetrennt wurde.

Der linke vordere Geb├Ąudeteil der ┬╗Vorburg┬ź war schon 1858 im Besitz der Familie Pfahl und blieb es bis zum Verkauf an die Raiffeisenkasse im Jahre 1959. Diese hatte schon 1948 einige R├Ąume als Gesch├Ąftslokal angemietet. Nach dem Ankauf nutzte man auch die Vikarie-wohnung im Hauptgeb├Ąude kurzzeitig als Lager, bis man Anfang der 60er Jahre eine Halle im Hof errichtete. Erw├Ąhnenswert ist noch, da├č in diesem Geb├Ąudeteil im Ersten Weltkrieg ein Kriegsgefangenenlager untergebracht war. Eigent├╝mer des an Pfahl ansto├čenden mittleren Geb├Ąudeteils der linksseitigen ┬╗Vorburg┬ź war 1858 Jakob Wingender, der in jenem Jahr eine Genehmigung erhielt, dort eine Bierbrauerei einzurichten. Ob es dazu kam, ist fraglich, da schon im Fr├╝hjahr 1861 die Judengemeinde jene R├Ąumlichkeiten ankaufte, um sie zu einer Synagoge auszubauen. Da zum Synagogenverband Gelsdorf 26 Juden aus Gelsdorf und 14 Juden aus Altendorf geh├Ârten, war der bis dahin als Bethaus genutzte Raum im Wohngeb├Ąude der Witwe von Lazarus Voos zu klein geworden. Am 13. Juni 1862 wurde die Synagoge in der ┬╗Vorburg┬ź mit einer gro├čen Feier eingeweiht. Im Laufe der Jahrzehnte verkleinerte sich die j├╝dische Gemeinde, so da├č 1926 nur noch wenige Juden in Gelsdorf lebten. Die Synagoge wurde nicht mehr genutzt und zerfiel. So ist es zu verstehen, da├č in der Reichskristallnacht am 10. November 1938 zwar die j├╝dischen H├Ąuser Jakob in Nierendorf und Cremer in Gelsdorf demoliert wurden, die Synagoge aber unbeachtet blieb. Im Jahre 1939 kaufte sie der Maurer Peter Riegel und baute sie zu einer Wohnung um. An den beiden zugemauerten spitzbogigen Fenstern auf der Hofseite erkennt man jetzt noch den Synagogenraum. Dieser Geb├Ąudeteil ist noch heute in der Hand der Familie Riegel, ebenso wie der ansto├čende Teil, der bis zur Toreinfahrt reicht.


Foto: Oscar Lorenz / Schloss Gelsdorf

Im Jahre 1858 geh├Ârte er einer Witwe Willems. Familie Riegel erwarb ihn nach demKrieg von Fr├Ąulein Bolscheid, einer Nichte von Pastor Noesges. Im Geb├Ąudeteil rechts der Einfahrt war von 1846 bis 1851 das Amtslokal der B├╝rgermeisterei-Verwaltung untergebracht. Als Eigent├╝mer wird 1858 Mathias Breidenbend genannt, dessen Sohn Johann Baptist als einer der ersten Obstbauern des Dorfes und weithin anerkannter Obstz├╝chter im Jahre 1932 starb. Seine Tochter heiratete einen Heinrich Sonntag und f├╝hrte den Bauernhof weiter. Sp├Ąter ├╝bernahm ihn der Sohn Konstantin Sonntag. Im Jahre 1980 ├╝bersiedelte die Familie in einen Neubau westlich des Schlosses. Eine neue Nutzung fanden Teile des Schlosses in der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Kurz zuvor, und zwar Mitte Mai 1939, wurde das erste Landdienstlager der Hitler-Jugend im Kreis Ahrweiler in der Vikariewohnung er├Âffnet. Im Schlo├čkeller hatte die Firma C & A ihre Kleiderbest├Ąnde ausgelagert.

Als am Abend des 6. M├Ąrz 1945 die ersten amerikanischen Soldaten in Gelsdorf einr├╝ckten, hatte ein gro├čer Teil der Dorfbev├Âlkerung in den gew├Âlbten Kellern der Burg Schutz gesucht. Am 7. M├Ąrz ging der Vormarsch in Richtung Remagener Br├╝cke weiter. Der als Schule benutzte Trakt wurde mit Truppen belegt, und am kommenden Tag mu├čte das ganze Schlo├č ger├Ąumt werden. Erst am 1. Ok tober 1945 konnte der Schulunterricht wieder aufgenommen werden. Der als Pfarrhaus benutzte Teil wies jedoch nach halbj├Ąhriger Einquartierung durch deutsche Truppen, nach Tieffliegerund Bombentreffern und schlie├člich nach einer viermonatigen Besetzung durch amerikanische Truppen erhebliche Sch├Ąden auf und konnte nicht mehr bewohnt werden. Wegen der Notzeit war an eine Renovierung nicht zu denken, weshalb Pfarrer Held seine Wohnung im Hause Bonner Stra├če 96 nahm. Als im Jahre 1950 80 Fl├╝chtlinge aus den deutschen Ostgebieten nach Gelsdorf gebracht wurden, sah man sich jedoch verpflichtet, die Pfarrwohnung wenigstens notd├╝rftig instandzusetzen, so da├č auch dort eine Familie unterkommen konnte.


Gelsdorfer Schloss um 1956

Als Pfarrer Held am 1. August 1956 wegen eines unheilbaren Leidens in den Ruhestand trat, wurde der Ruf nach einem neuen Pfarrer immer gr├Â├čer. Einflu├čreiche Kreise waren jedoch dagegen und strebten eine Renovierung des Schlosses an. So dauerte es dann noch einige Jahre, bis man 1959 einen Morgen Land an der Gr├╝nstra├če f├╝r einen Neubau des Pfarrhauses erwerben und dank der Spendenfreudigkeit der Bev├Âlkerung im M├Ąrz 1960 mit dem Bau beginnen konnte.

Schon in den ersten Nachkriegsjahren zeigte sich, da├č die r├Ąumlichen Verh├Ąltnisse der Schule immer unzul├Ąnglicher wurden und eine Renovierung mit erheblichen Aufwendungen verbunden gewesen w├Ąre. Also bem├╝hte man sich auch im schulischen Bereich um einen Neubau, der ebenfalls an der Gr├╝nstra├če erstellt und am 29. Januar 1965 mit einem Festakt eingeweiht werden konnte. Bei der vielseitigen Verwendung, die das Schlo├č im Laufe der Zeit gefunden hat, ist es nicht verwunderlich, da├č auch das Schicksal des 1886 in Gelsdorf gegr├╝ndeten Klosters mit ihm verkn├╝pft ist. Nach dem 1966 aufgestellten Altenplan des Kreises Ahrweiler sollte das von den Franziskanerinnen gef├╝hrte Altenheim (St.Josefs-Haus) betr├Ąchtlich erweitert werden. Zivilund Kirchengemeinde stellten neben dem Schlo├č Gel├Ąnde f├╝r einen Neubau zur Verf├╝gung, das bisch├Âfliche Generalvikariat gab aber die erforderliche Genehmigung nicht. Stattdessen w├╝nschte es einen Umbau und eine Erweiterung des inzwischen leerstehenden Schlosses und lieferte auch einen Vorentwurf. Dieser fand aber nicht die Zustimmung der Kreisverwaltung. Die Verhandlungen zogen sich bis 1969 hin. Dann lie├č das Generalvikariat den Plan fallen und stimmte einem Neubau zu, doch jetzt wurde der Plan staatlicherseits abgelehnt. Daraufhin gaben die Schwestern ihre Gelsdorfer Niederlassungen am 1. Oktober 1970 auf und verlie├čen den Ort. Ebenso abwechslungsreich und ├╝berraschend wie die ├Ąltere Geschichte verlief auch die aller-j├╝ngste Entwicklung des Schlosses. Nachdem das Herrenhaus nicht mehr bewohnt wurde, verfiel es zusehends und bot bald einen hoffnungslosen Anblick. Verschiedene M├Âglichkeiten zum Verkauf, die sich schon seit Anfang der 50er Jahre boten, scheiterten alle, einerseits, weil wegen des Denkmalschutzes die Nutzung des Geb├Ąudes nicht frei war, zum anderen aber auch, weil die beiden Besitzer des Schlosses, Zivil- und Kirchengemeinde, sich in ihrem Handeln uneins waren.

Als mit den Jahren T├╝ren und Fenster von randalierenden jungen Leuten und Kunstliebhabern herausgerissen, Fu├čb├Âden ausgebrochen, das Geb├Ąude zum Tummelplatz von Kindern und Jugendlichen geworden war alle Absperrungen konnten sie nicht von diesem sehr gef├Ąhrlichen Spielplatz fernhalten -, und als schlie├člich dieses Schlo├č, einst eine Zierde f├╝r das Dorf, total heruntergekommen und zum ┬╗Schandfleck┬ź des Ortes geworden war, entschlossen sich die zust├Ąndigen Gremien 1975/ 76 f├╝r einen Abbruch dieses ungeliebten und als ┬╗Klotz am Bein┬ź angesehenen Geb├Ąudes. Nach einer Berechnung des Kreisbauamtes sollte die Absicherung des Gel├Ąndes 150.000 DM und die Renovierung 1,5 Millionen Mark kosten. Das schien jedoch der Gemeinde Grafschaft, als Rechtsnachfolgerin der ehemaligen Gemeinde Gelsdorf, bei der augenblicklichen finanziellen Belastung untragbar. ├ähnlich wie 130 Jahre vorher, als der Ankauf des Schlosses anstand, fanden die Bem├╝hungen der Beh├Ârden um Erhaltung des Schlosses in der Bev├Âlkerung ├╝berwiegend kein Verst├Ąndnis.


Das wiederhergestellte Hauptgeb├Ąude des Schloss um 1985

F├╝r diesen ┬╗alten Kasten┬ź sollte man kein Geld mehr wegwerfen, hie├č es im Dorf. Daher war die Gemeinde Grafschaft fest entschlossen, das Schlo├č auch gegen die Auffassung der vorgesetzten Beh├Ârden abzurei├čen. Um diesen Entschlu├č leichter in die Tat umsetzen zu k├Ânnen, trat sie an den Kirchenvorstand heran und bat um ├ťbertragung des der Kirche geh├Ârenden Anteils des Schlosses. In diesem Moment, als alle Zeichen auf Abbruch standen und dieses lokalwie kunsthistorisch gleicherma├čen wertvolle Geb├Ąude es ist ├╝brigens der ├Ąlteste profane Ziegelsteinbau der Grafschaftunterzugehen drohte, trat pl├Âtzlich in Gestalt des Filmregisseurs Dr. Werner Klett aus Berlin die Rettung ein. Am 29. M├Ąrz 1976 wurde der Kaufvertrag notariell abgeschlossen. Die H├Âhe des Kaufbetrages betrug f├╝r das gesamte Gel├Ąnde 120.000 DM. Der neue Eigent├╝mer wollte im Schlo├č eine Niederlassung errichten, mit Studios f├╝r Ton und Bild, Arbeitsr├Ąumen f├╝r Filmschaffende sowie B├╝ros und Aufenthaltsr├Ąume. Dabei sollte die Aussenansicht erhalten bleiben und die zugesch├╝tteten Wassergr├Ąben wieder ausgebaggert werden. Im Januar 1977 gr├╝ndete man in Berlin einen ┬╗Verein der Freunde der Burg Gelsdorf┬ź der die Bem├╝hungen um Wiederherstellung und zweckvolle Bestimmung des Schlosses unterst├╝tzen sollte. Der Schlo├čpark sollte zu einem Freilichtmuseum ausgestaltet werden. Man dachte vor allem an die Ausstellung von Werken europ├Ąischer Bildhauer. Schlie├člich plante man ein Buch und einen Fernsehfilm mit dem Titel ┬╗Ein Denkmal der Denkmalpflege┬ź.

Das Projekt schien sich jedoch nicht verwirklichen zu lassen, denn die Zeitungen berichteten, da├č der Eigent├╝mer das Schlo├č wieder verkaufen wolle. Da brach am Abend des 19. Juli 1979 ein Feuer im Herrenhaus aus und zerst├Ârte, trotz angestrengter L├Âschversuche, das Geb├Ąude bis auf die Umfassungsmauern. Nun schien der Untergang des Schlosses endg├╝ltig besiegelt zu sein. Trotzdem stellte am 1. Februar 1980 die Kreisverwaltung Ahrweiler die vorhandenen Geb├Ąude der ┬╗Vorburg┬ź und des Herrenhauses nach dem neuen Denkmalschutzgesetz von Rheinland-Pfalz einstweilig unter Schutz. In der Begr├╝ndung zu dieser Entscheidung wird ausgef├╝hrt, da├č das Schlo├č eine einmalige und bemerkenswerte historische Anlage dieser Burgengattung im Nordteil des Landes Rheinland-Pfalz darstellt und ein Zeugnis des k├╝nstlerischen Schaffens und des technischen Wirkens dieser Epoche ablegt. Sie sei ein kennzeichnendes Merkmal von Gelsdorf, an dessen Erhaltung aus denkmalpflegeischen Gr├╝nden ein ├Âffentliches Interesse bestehe. Diese Voraussetzungen l├Ągen auch nach dem Brande noch vor. Man wollte damit einer weiteren Demolierung des Geb├Ąudes vorbeugen, doch Wind und Wetter setzten das Zerst├Ârungswerk fort, bis im Jahre 1981, zum allergr├Â├čten Erstaunen der Bev├Âlkerung, der Architekt Bruno Lambart aus Ratingen bei D├╝sseldorf diese Ruine aufkaufte und im Fr├╝hjahr 1982 mit den Aufr├Ąumungsund Sicherungsarbeiten begann. Schon am 8. Februar 1983 konnte er, unter zahlreicher Teilnahme der Dorfbewohner, das Richtfest feiern. Am 23. Januar 1985 stellt er das im ├äu├čeren orginalgetreu restaurierte Herrenhaus der ├ľffentlichkeit vor. Aus einem Schandfleck ist vielleicht das Wahrzeichen der Gemeinde geworden.

Artikel: Ottmar Prothmann (Heimatjahrbuch 1986)
Recherche, Bildmaterial: Siggi Meissner, Gelsdorf im Februar 2004

Anmerkungen

  1. Siehe dazu vor allem: Felix Hauptmann, Die Reichsherrschaft Gelsdorf, in: Rhein. Geschbll. Bd. 9, 1910 Clemen, Kdm Kr. Ahrw., 1938 H. Welters, Gelsdorf in der Grafschaft, in: Alt Bonn, vom Rhein zur Ahr Beilage der Bonner Rundschau Jg. 4, 1950 Matthias R├Âcke, Burgen und Schl├Âsser zw. Ahr u. Brohlbach, K├Âln 1984 Beitr├Ąge in den Heimat-Jb. f.d. Kreis Ahrw. 1957 S. 41 44, 1966 S. 76 78,1970 S. 75 77,1984 S. 106 f. Mit der kunsthistorischen Einordnung dieses Baudenkmals und dessen Wiederaufbau befa├čt sich zur Zeit die Architektin Christa Sommerfeld in ihrer Dissertation ├╝ber Revitalisierung von Schl├Âssern und Herrenh├Ąusern.
  2. In der Literatur ist h├Ąufig 1766 als Erwerbsjahr genannt, das Wappen ├╝ber dem Einfahrtstor tr├Ągt aber die Jahreszahl 1763.
  3. O. Prothmann, Das Aussehen von Schlo├č Gelsdorf vor rund 200 Jahren, in: Mittbl. Gde Grafschaft Nr. 33, 34 und 35, 1982.
  4. ┬╗Die wehrhafte Heimat von einst. Der Burghof zu Gelsdorf┬ź, in: General-Anzeiger 2S./24. 4. 1938.
  5. ├ľffentl. Anzeiger Nr. 15 vom 6. 6. 1825 (Beilage zu Nr. 22 des Amtsbl. der Reg. Kobl.).
  6. Als haupts├Ąchliche Quelle f├╝r diese und die folgenden Ausf├╝hrungen diente: Gdearchiv Grafschaft Akten 106/5,107/7, 117a/21; Kreisarchiv Ahrw. Akten B 7 u. P. 22; Landeshauptarchiv Kobl. Abt. 441 Nr. 15797; Bistumsarchiv Trier Abt. 70 Nr. 1648 -1651, ferner Schuldchronik und Chronik der B├╝rgermeisterei Gelsdorf.