Von großen Äpfeln, Wolkenkratzern und Truthähnen..

Nach dem US-Wahlen und dem Schulstress der letzten Wochen, habe ich in den vergangenen Tagen viel erlebt und vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten gesehen. Anlässlich Thanksgiving (ähnlich dem deutschen Erntedankfest, welches aber in den Vereinigten Staaten aus historischen Gründen viel größer gefeiert wird) hatte ich eine Woche schulfrei.

An Thanksgiving – am letzten Donnerstag im November – wird das Überleben der Puritans nach einem harten Winter gefeiert. Die Puritans waren eine der ersten Siedlergruppen beziehungweise Kolonisten, die aus England ausgewandert sind um in Amerika ein neues Leben zu starten – meist aus religiösem Hintergrund.

Erholung für mich hieß das jedoch zuerst einmal nicht. Um fünf Uhr morgens brach meine Gastfamilie mit mir auf eine neunstündige Autoreise von Ohio nach New York City auf. Am Nabel der Welt angekommen, begannen wir direkt mit der Stadtbesichtigung in „Big Apple“, wie der New Yorker sagen würde. Alan, ein Familienmitglied, der durch seinen Beruf als Flugzeugpilot viel in der Welt herumkommt, bot uns eine einmalige, exklusive Stadttour. Angefangen hat mein kleines Abenteuer am Timesquare im Herzen von Manhatten. Von dort machten wir uns dann auf zum Rockefeller Center, dem zweithöchsten Gebäude in New York. Hoch über der Stadt, hatten wir die schönste Sicht über die Weltmetropole an der Ostküste der USA. Auch der nächste Morgen begann sehr früh. Schon um acht Uhr brachen wir mit dem „Subway“ –der Untergrundbahn – auf zu Ground Zero (zu deutsch etwa „Nullstelle“).

Ich habe bereits über meine Erlebnisse und Eindrücke der Terroranschläge vom 11. September 2001 berichtet und wurde an diesem Tag noch einmal geschockt, als ich in den Himmel geguckt und die beiden Türme nicht gesehen habe. Auch die riesige Baustelle zu sehen, die zugleich Friedhof für über 3000 Menschen ist, war für mich sehr emotional und unbegreiflich.

Anschließend ging es dann auf eine Fähre, die an der Freiheitsstatue vorbeifuhr, und uns die Gelegenheit bot, die Skyline von Manhatten vom Wasser aus zu sehen.

Für mich ist New York City wie ich es erwartet habe: Groß, beschäftigt und multikulturell. Überall habe ich verschiede Sprachen aufgefangen und die unterschiedlichsten Menschen gesehen. Gegen Mittag verliessen wir die Millionenstadt dann auch schon wieder und machten uns auf nach Rhode Island um Thanksgiving mit der Familie zu feiern.

Nach dem traditionellen Festmahl mit Truthahn und Kartoffeln, wurde den ganzen Abend lang gemeinsam gespielt, Geschichten erzählt, gesungen und viel gelacht.

Genug Schlaf hatte ich immer noch nicht gefunden, als wir am nächsten Morgen in aller Frühe nach Boston, eine der ältesten Städte der USA, gefahren sind. Die Metropole, auch wenn nicht so groß wie New York City, erinnerte mich doch sehr von Architektur und Bauart an deutsche Stäte wie Köln und Berlin.

Auch die Zeit in Boston verging wie im Fluge und dann machten wir uns am nächsten Tag auch schon wieder auf den Rückweg nach Ohio.

Ich habe in den letzten vier Tagen in einer sehr kurzen Zeit sehr viel erlebt und gesehen und bin stark verändert worden von dem klaffenden Unterschied zwischen den Armen und Reichen in dieser Welt. Auch wenn es heuchlerisch klingen mag, so ist mir doch noch einmal mehr bewusst geworden, in welchen Überfluss wir eigentlich in unserer Gesellschaft leben...

Von Florian Schneider