Amerika hat einen neuen Pr├Ąsidenten

Schon seit knapp einem Jahr wurde nahezu ununterbrochen in den Medien dar├╝ber berichtet. Nach monatelangen Vorwahlen der einzelnen Bundesstaaten und den Nominierungen der Kanidaten gegen Ende August beziehungsweise Anfang September, haben die B├╝rgerinnen und B├╝rger der Vereinigten Staaten von Amerika vergangenen Dienstag ihren neues Staatsoberhaupt gew├Ąhlt. Senator Barack Obama setzte sich nach einer spannenden Wahlnacht gegen seinen Herrausforderer Senator John McCain durch und wird in Zunkunft das Amt des m├Ąchtigsten Mann der Welt inne haben und damit seinen Vorg├Ąnger George W. Bush nach acht Jahren Amtszeit abl├Âsen.

F├╝r beide Kanidaten geht ein langer, hitziger Wahlkampf zu Ende. Eine Woche vor der Wahl, kamen beide, John McCain und Barack Obama, kurz hintereinander noch einmal in meine Heimatstadt um vor den Menschen hier zu sprechen, da die W├Ąhlerstimmung in unserem „Wahlkreis“ traditionsgem├Ą├č den Ausgang der Wahlen in der gesamten Nation widerspiegeln soll.

Durch Zufall und Gl├╝ck konnte ich dabei sein, als Barack Obama vergangen Montag seine Rede vor 4.000 Anh├Ąnger in der Stadthalle gehalten hat. Obwohl er eine Woche vor der Wahl nichts neues mehr in seiner Rede erw├Ąhnte, da das meiste bereits gesagt wurde, war es dennoch sehr beeindruckend ihn mit seinem Charisma und seiner Ausstrahlung reden zu h├Âren – abgesehen davon, dass ich ihn hautnah gesehen habe und nur wenige Meter von ihm entfernt stand.

├ťberrascht haben mich die geringen Sicherheitsvorkehrungen bei der Veranstaltung, vor allem, da zuletzt die Drohungen auf ein Attentat gegen ihn gestiegen sind. Die Beunruhigung der Bev├Âlkerung war hier deutlich zu sp├╝ren, als die beiden Neonazis, die bereits konkrete Pl├Ąne zur Durchf├╝hrung eines Anschlages hatten, von FBI festgenommen wurden.

Im R├╝ckblick auf den Wahlkampf um den wohl begehrtesten Posten der Welt habe ich festgestellt, wie sehr die Menschen hier an diesem Wechsel interessiert sind. Die Wahlen waren ohne Zweifel das wichtigste Thema in den vergangenen Wochen und Monaten. Unterst├╝tzt durch die aktuelle Finanzkriese, die meiner Meinung nach nicht zuletzt den Ausgang der Wahlen mit beeinflusst hat. Auch in der Schule waren Disskussionen ├╝ber den zuk├╝nftigen Pr├Ąsidenten der Weltmacht immer mehr ein gro├čes Thema. Ein verbreitetes Desinteresse unter Jugendlichen wie in Deutschland konnte ich hier ├╝berhaupt nicht feststellen. Im Gegenteil, Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler organisierten Infomationsveranstaltungen in der Schule und diskutierten mit den Lehrern ├╝ber die Wahlkampfthemen.

Auf der anderen Seite war dieser Wahlkampf von Respektlosigkeit der Kanidaten gezeichnet, die ihres gleichen sucht. Nicht nur auf politischer Ebene, sondern vor allem pers├Ânlich haben sich die beiden Herrausforderer, sowie deren Vizekanidaten Sarah Palin und Joe Biden massiv angegriffen. Viele W├Ąhlerinnen und W├Ąhler haben sich duch beleglose Thesen und Behauptungen zu einer Meinung ├╝berreden lassen.

Ich pers├Ânlich h├Ątte mir gew├╝nscht – auch wenn es ein Wahlkampf war – dass die Kanidaten mehr Hand-in-Hand gearbeitet h├Ątten. Schlie├člich stehen die Vereinigten Staaten vor einer gigantischen Krise, die es zu bew├Ąltigen gibt und deren Ausma├če bei weitem noch nicht von allen erkannt wurden. Diese Krise zeigt bereits auch Auswirkungen f├╝r Deutschland und ich hoffe, dass unsere Parteien daraus lernen und sich f├╝r die Bundestagswahl 2009 gemeinsam der Herrausforderung stellen.

Von Florian Schneider