Barack Obama - Ein Funke Hoffnung?

Gut eine Woche ist vergangen, seit der neue PrĂ€sident der Vereinigten Staaten von Amerika, Barack Obama, in Washington, D.C. vor rund zwei Millionen Menschen vereigdigt wurde. Millionen Menschen in den USA und auf der ganzen Welt verfolgten live die AmtseinfĂŒhrung des ersten schwarzen US-PrĂ€sidenten.

In seiner Rede vor dem Kapitol in Washington erwĂ€hnte der 47-jĂ€hrige Afro-Amerikaner die gegenwĂ€rtige Finanz- und Wirtschaftskrise, sowie die momentane Lage im Irak und im Kampf gegen den weltweiten Terrorismus. „Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, sind ernsthaft und sie sind zahlreich“, sagte er. „Sie werden nicht leicht oder kurzfristig zu meistern sein. Aber ich weiss: Wir werden sie meistern.“ Obama betonte außerdem, der Staat mĂŒsse das Vertrauen des Volkes wiedergewinnen und versprach gleichzeitig einen neuen Politikstil.

Dieser neue Wind nach acht Jahren unter der Regierung von Ex-PrÀsident George W. Bush ist bereits bei den Menschen in meiner Heimatstadt North Canton, Ohio, angekommen.

Die Vereidigung und die anschliessenden Festlichkeiten wurden live in meiner High School ĂŒbertragen und SchĂŒler und Lehrer, befanden sich im „Obama-Fieber“. Das ganze Land befand sich im Ausnahmezustand. Selbst diejenigen, die im letzten November noch fĂŒr den Herausforderer John McCain gestimmt hĂ€tten, schwenkten nun stolz die amerikanische Flagge und wĂŒnschten ihrem neuen Staatsoberhaupt viel GlĂŒck fĂŒr kommenden vier Jahre seiner Amtszeit.

Dennoch bleiben die Wahlkampfthemen von 2008 fĂŒr viele hier auf meiner Schule und in meiner Stadt unvergessen und werden weiterhin energisch debattiert. Die von Obama angekĂŒndigte landesweite EinfĂŒhren von Abtreibung zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft ruft bei der Bevölkerung heftige Kritik auf. Nicht nur die katholische Kirche hier vor Ort, die mit Unterschriftenaktionen gegen die Verabschiedung des Gesetzes bei den lokalen Abgeordneten protestiert, sondern auch viele Obama-AnhĂ€nger aus den eigenen Reihen, wollen die generelle Zulassung verhindern. Obama jedoch steht fest zu seinem Beschluss und bestĂ€tigte nocheinmal, das Gesetz zu unterschreiben, sobald es ihm vom Parlament und Senat vorgelegt wurde. Er bewirbt sein Vorhaben unter dem Namen „Freedom of Choice Akt“ (zu deutsch: Die Freiheit zu entscheiden). FĂŒr mich stellt sich jedoch die Frage warum ungeborene Kinder sterben mĂŒssen, um die amerikanische Vorstellung von Freiheit zu erfĂŒllen...

Ein weiterer Brennpunkt ist der Irakkrieg. In diesem Zusammenhang ist mir in der Zeit meines Aufenthaltes hier in den USA sehr stark der Nationalstolz der Amerikaner aufgefallen. Anders als in Deutschland begrenzt sich dieser nicht nur auf die sportliche, sondern vor allem auf die politsche und militĂ€rische Ebene. „Ich verliere lieber eine Wahl, als dass ich mein Land einen Krieg verlieren sehe.“ Das waren die Worte von John McCain vor den Wahlen, die fĂŒr mich unvergesslich und zugleich unbegreiflich bleiben werden. Der konservative Republikaner war von Anfang an gegen die Abtreibung von ungeborenen Kindern, nimmt allerdings in Kauf, dass tĂ€glich seine Landsleute in einem Krieg fallen, der von amerikanischer Seite aus nicht gewonnen werden kann. Krieg wird hier als etwas Notwendiges angesehen: Ein Mittel zum Zweck. Soldaten die aus dem Krieg zurĂŒckkehren werden als Helden gefeiert und mit Feiertagen geehrt. Die Schulen veranstalten Versammlungen zu Ehren der Krieger. Auch wenn ich versuche, mich in allem der amerikanischen Kultur anzupassen und einzugliedern, fĂ€llt es mir schwer, in die Lobeshymnen und EhrenmĂ€rsche miteinzustimmen.

Das grĂ¶ĂŸte gegenwĂ€rtige Problem ist die Finanzkrise, dich ich deutlich in meiner Stadt zu spĂŒren bekommen. Lebensmittelpreise erreichen ihren Höchststand, Eltern von SchĂŒlern in meiner Klasse verlieren ihren Arbeitsplatz, HĂ€user und Autos werden zwangsversteigert und die Menschen verlieren ihre Ersparnisse. „Es ist die Habgier, die wir Amerikaner haben“, ist die Antwort meiner Lehrer, „wir wollen immer mehr und immer höher hinaus.“

Dennoch verbinden viele hier große Hoffnung mit dem neuen PrĂ€sidenten. Von Obama wird erwartet, dass er in den nĂ€chsten Wochen alles in die Wege leitet, um eine zweite „Grosse Depression“ zu verhindern. FĂŒr die Menschen hier bleibt abzuwarten, was bei dem Wechsel fĂŒr sie herrausspringt.

Von Florian Schneider